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Die sogenannte Philanthropie-Beratung in der Schweiz wächst
















Philanthropie-Berater informierten im Januar 2013 unter
meiner Moderation am Swissfundraising-Erfatreff in Basel

Die professionelle Beratung von vermögenden Personen bei deren gemeinnützigen Engagements schafft ein neues Geschäftsfeld. Sorgten bis vor wenigen Jahren Vermögensverwalter für die Anlage von Stiftungsvermögen und die Juristen für die rechtlich korrekte Gestaltung von Stiftungen und Fonds, so bemühen sich Vertreterinnen und Vertreter beider Professionen sowie neu gegründete Kleinunternehmen unterdessen um die inhaltliche Ausgestaltung der philanthropischen Aktivitäten ihrer Kundschaft.
Die Grossbanken UBS und Credit Suisse etablierten ums Millennium herum, als der langjährige Aufschwung der Börsenindizes noch anhielt, jeweils innerhalb weniger Monate je eine Stiftung, die der Kundschaft ihres Hauses vorteilhafte Bedingungen für die Verwaltung von Einlagen und Unterstützung bei deren Einsatz im In- und Ausland offerierte. Ein paar Wochen vorher hatte die Luzerner Bank Reichmuth die Rütli Stiftung etabliert.
UBS Optimus Foundation und Accentus Stiftung beschäftigen unterdessen ganze Teams in der Geschäftsführung, im Projektmanagement und Controlling sowie im Eigen-Marketing. Die Credit Suisse liess 2002 der Accentus die ähnlich konzipierten Stiftungen Symphasis und Empiris folgen; die UBS Optimus steigerte ihre Förderleistungen kräftig und steht seit mehreren Jahren bei rund 20 Millionen pro Jahr.

Dachstiftungen verbreiten sich übers Land

Optimus und die Credit Suisse-Stiftungen gelten als sogenannte Dachstiftungen, als Einrichtungen, die unter ihrem Management auch Fonds als unselbständige Stiftungen aufnehmen in Grössenordnungen, für die Spezialisten die Gründung eigenständiger Organisationen nicht empfehlen oder die zum Verbrauch bestimmt sind, und welche die Verwaltung vereinfachen. Auf diesem Gebiet etablierte sich die Limmat Stiftung schon 1972 und war hier lange alleine – sieht man davon ab, dass gemeinnützige Gesellschaften in Basel, Zürich und Luzern oder die Christoph Merian-Stiftung schon lange Nachlässe auch in Form von dauerhaft gedachten Fonds entgegen genommen hatten.
Unterdessen fungiert eine Arbeitsgemeinschaft solcher Einrichtungen; schliesslich entstanden in Zürich Corymbo und Arco 2002 und 2005, in der Ostschweiz Succursus und Regulus 2006 bzw. 2011, in Basel die Christoph Merian Kantonalbanken Stiftung. Geschäftsführer grosser Förderstiftungen haben 2007 die Fondation des Fondateurs eingerichtet und bei Swissfoundations domiziliert; im Umfeld dieses Verbands gedeiht und wächst sie kräftig.
Dachstiftungen bieten sich natürlich auch in der Westschweiz an, wo gemäss Stiftungsreport in den letzten Jahren überdurchschnittlich viele gemeinnützige Einrichtungen entstanden,schon 2004 die Swiss Philanthropy Foundation und 2008 die Fondation Philanthropia, die eine Initiative der Bank LODH, Lombard Odier Darier Hentsch, ist. UBS Optimus und die Credit Suisse-Stiftungen kommunizieren auch in Französisch (sowie in Englisch).

Genf bietet Grund für Neugründungen

Offenbar Ausfluss der Dynamik der Romandie sind ein halbes Dutzend Beratungsfirmen, die alle in den letzten beiden Jahren neu gegründet wurden, den Begriff Philanthropie in irgendeiner Form im Namen haben und oft nur eine oder zwei zeichnungsberechtigte Mitarbeitende. Vor dieser Gründerwelle war aber die Romandie schon mit renommierten privaten Beratungsunternehmen versehen: Die Gründer von Wise erscheinen immer wieder als Experten in den Medien, die weltweit tätige FSG hat in Genf eine Niederlassung ebenso wie die Zürcher Social Investor ein Standbein. In der Nähe von Uni und ETH Lausanne haben sich Carigest und Impact Economy niedergelassen, der Betrieb des ehemaligen Chef-Philanthropie-Beraters der UBS.
Aus dem Deutschschweizer Zentrum des Finanzplatzes heraus agieren Valueworks Charity Services und Socential. Mit Hauptsitz in Genf und Vertreterin in Zürich versucht die selbst als Stiftung organisierte Philias vor allem grosse Firmen zur Zusammenarbeit mit Organisationen anzuleiten.
Ab Basel geschieht Philanthropie-Beratung ausser in den bereits genannten, jahrhundertealten NPO, die ihre Bemühungen in den letzten Jahren verstärkten, weiterhin vor allem von den baslerischen Privatbanken La Roche 1787 und Scobag sowie von Anwaltskanzleien aus: Dufour Advokatur z.B. führt seit der Gründung und damit bald einem Vierteljahrhundert durchgehend den nationalen Verband ProFonds, FurrerKarrer führt den Verein Stiftungsstadt Basel und organisiert den Basler Stiftungstag, der gute Beispiele vorzeigt. Basel und seine Region weisen ausserdem Zeichen anthroposophischer Wohltätigkeit auf; die hiesige Edith Maryon-Stiftung reckt sich bis Berlin.
UBS und Credit Suisse bieten neben den Dachstiftungen auch sogenannte Philanthropic Services mit eigenen Heads; bei RBS Coutts Bank in Zürich heisst die Dienstleistung International Family Business & Philanthropy für die Wealth Management Division und bei LGT Venture Philanthropy. LGT richtete im Zürcher Seefeld sogar einen möglichen Kunden offen stehenden Ausstellungsraum ein.

Stiftungszentren“ arbeiten mit unterschiedlichen Geschäftsmodellen
Bern ist nicht nur Hauptstadt, sondern Standort für Zentren, dem Stiftungszentrum und dem Kompetenzzentrum Stiftungen. Beides sind Unternehmen. Hinter dem einen steckt die ehemalige Geschäftsführerin von Swissfoundations und sie veranstaltet jedes Jahr das Swiss Philantropy Forum, hinter dem anderen die für die Region bedeutsame Vermögensverwaltung und Kanzlei für Recht- und Treuhand-Dienstleistungen von Graffenried.
Nonprofit-Stiftungszentren bilden das Centre for Philanthropy Studies der Uni Basel und das Zentrum für Stiftungsrecht der Uni Zürich, die unterschiedliche Schwerpunkte haben, zusammenarbeiten und neues Wissen produzieren. Daraus entstehen Monographien, jährliche Rapporte und Weiterbildungsangebote etwa zu Management und Kommunikation von Stiftungen, die vor wenigen Jahren noch nicht existierten. Das wesentlich ältere VMI, Verbandsmanagement-Institut der Uni Fribourg, steht, zusammen mit derihr verbundenen Beratungsfirma B'VM in Bern, mehr Verbänden und operativ tätigen NPO beratend und forschend bei.
(Verfasst im Februar 2013 für das erste Schweiz-Spezial der Münchner Zeitschrift Die Stiftung)